Luise Görlach
"Nichts im Leben ist zu fürchten, es ist nur zu verstehen."
Marie Curie
Netzaktivistin & Referentin für Digitale Selbstbestimmung, Datenschutz & IT-Sicherheit für den sozialen und Bildungsbereich
NEU: Beratung & Workshops zu Digitalisierung, Datenschutz & Datensicherheit speziell für den sozialen & Bildungssektor
Sie hantieren täglich mit sensiblen Daten von Klient*innen, aber Ihre IT empfiehlt Ihnen Google-Dienste? Sie wollen verschlüsselt kommunizieren, aber sollen Teilnehmenden-Listen per MS Teams verschicken? Es wird Zeit für eine verantwortungsvolle Digitalisierung! Gemeinsam besprechen wir den Ist-Zustand Ihrer technischen Ausstattung, stellen Ihre Geräte privatsphärefreundlich ein und finden passgenaue, kostenlose und datensparsame Softwarelösungen für Ihre Einrichtung oder die Gruppen, mit denen Sie arbeiten. Egal ob als Workshop, Vortrag oder Sprechstunde: gemeinsam finden wir das perfekte Format für Sie!
Über mich
Wer ist Luise Görlach?
Internet-Flaneuse, Netzaktivistin und Medienpädagogin Ihres Vertrauens. Hier erwarten Sie
einige Einblicke und Hintergründe zu meiner Arbeit und meiner Person sowie Links zu Interviews mit mir.
Bei Interviewanfragen bitte zunächst diese Seite einatmen und mich dann gern über das Kontaktformular anschreiben.
Termine
Hier geht es zur Übersicht aktueller Veranstaltungen: Workshops, Vorträge, Konferenzbeiträge und Interviews. Bitte beachten Sie, dass einige Veranstaltungen für geschlossene Gruppen stattfinden. Bei Fragen zu Inhalten, Anmeldung und Kosten schreiben Sie mir gern eine Mail über das Kontaktformular und ich melde mich flott zurück.
Angebote
Interesse an einem Workshop in Digitaler Selbstverteidigung fürs Kollegium, Ihren Verein oder Ihre Initiative? Planen Sie einen Fachtag und wünschen sich einen Beitrag der besonderen Art zu Mediendidaktik oder Datenschutz? Hier finden Sie eine Auflistung meiner Herzensthemen und möglicher Termine für Präsenz- oder Onlineveranstaltungen.
Digitale Selbstverteidigung – Warum wir 2025 alle etwas zu verbergen haben
Wenn das Digitale plötzlich analog wird
Digitale Selbstverteidigung – für viele klingt das nach Hacking, IT-Profis und technischen Knowhow. Dabei ist es viel simpler: Es geht um den bewussten Umgang mit unseren persönlichen Daten im Netz, digitale Privatsphäre und um unser Recht auf informationelle Selbstbestimmung.
Die zentrale Erkenntnis, die wir 2025 wirklich nicht mehr ignorieren können: Unser digitales und analoges Leben sind längst untrennbar miteinander verschmolzen. Was wir online tun, egal ob öffentlich oder im privaten Chat, hat handfeste Konsequenzen in der physischen Welt. Und diese Konsequenzen betreffen uns alle – nicht nur Aktivist*innen oder „Menschen, die etwas zu verbergen haben".
Ein Meme kann Grenzen schließen
Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Flughafen in New York. Vorfreude auf den Urlaub, der Koffer ist gepackt, das Hotel gebucht. Doch statt eines freundlichen „Welcome to the USA" werden Sie in einen Nebenraum gebeten. Ihr Smartphone wird durchsucht, Ihr Laptop geöffnet, Ihre Cloud-Daten gescannt.
Das ist keine Dystopie, sondern Realität 2025. US-Grenzbehörden haben weitreichende Befugnisse, Social-Media-Profile und private Chats zu durchsuchen. Ein kritisches Meme über Trump, das Sie vor Jahren geteilt haben? Ein sarkastischer Kommentar in einer WhatsApp-Gruppe? Das kann bereits ausreichen für ein Einreiseverbot.
Auch Menschen in Europa sind davon betroffen. Plötzlich hat eine digitale Äußerung, die vielleicht als Scherz gemeint war, Einfluss auf unsere physische Bewegungsfreiheit. Unser digitales Verhalten wird zum Türöffner – oder eben zum Türschließer. Im Zeitalter autoritärer Regime und vermeintlich konservativer Regierungen mit Hang zum Rechtsextremismus keine ferne Dystopie. Spätestens seit Palantir gehen Überwachung und Digitalisierung immer mehr Hand in Hand. Die Chatkontrolle könnte der nächste Schritt sein, wenn wir ihn nicht verhindern.
Die unsichtbaren Datensammler
Während wir durch Social Media scrollen, Nachrichten schreiben oder nach dem besten Restaurant in der Nähe suchen, passiert im Hintergrund etwas, das die meisten von uns nicht wahrnehmen: Apps und Webseiten sammeln permanent Daten. Standortdaten, Kontakte, Nutzungsverhalten – oft weit über ihre eigentliche Funktion hinaus.
Cookie-Banner gaukeln uns vor, wir hätten die Kontrolle. Doch wer hat schon Zeit und Nerven, sich durch seitenlange Datenschutzerklärungen zu kämpfen? Die bunten Buttons sind so gestaltet, dass wir fast automatisch auf „Alle akzeptieren" klicken. Dahinter stehen sogenannte „Dark Patterns" – Designentscheidungen, die uns manipulieren sollen.
Das Ergebnis: Wir werden über verschiedene Websites und Apps hinweg getrackt. Unsere Daten werden verkauft, zusammengeführt und jahrelang gespeichert. Wir verlieren die Kontrolle über unsere digitalen Spuren – oft ohne es überhaupt zu bemerken.
Wenn Algorithmen Demokratie gefährden
Je mehr über uns bekannt ist, desto gezielter können wir beeinflusst werden. Ein erschreckendes Beispiel: Die US-Supermarktkette Target konnte anhand des Kaufverhaltens einer Teenagerin deren Schwangerschaft errechnen – noch bevor ihr eigener Vater davon wusste. Das Unternehmen schickte ihr passende Werbung, der Vater beschwerte sich wütend, musste sich dann aber bei Target entschuldigen: Seine Tochter war tatsächlich schwanger, von Target statistisch errechnet aus der Kombination aus Lotion und Nahrungsergänzungsmittel.
Was bei Windel-Werbung beginnt, endet bei politischer Manipulation. Mikro-Targeting-Kampagnen nutzen detaillierte persönliche Profile, um uns mit maßgeschneiderten Botschaften zu beeinflussen. Werbung wird zur psychologischen Manipulation.
Gleichzeitig entstehen durch personalisierte Algorithmen Filterblasen, die uns nur noch zeigen, was unsere bestehende Meinung bestätigt. Wir verlernen, andere Perspektiven zu verstehen und mit Menschen zu diskutieren, die anders denken als wir. Doch eine funktionierende Demokratie braucht genau das: eine gemeinsame Realität und die Fähigkeit zum Diskurs. Statt Brücken zu bauen, verstärken personalisierte Inhalte die Polarisierung unserer Gesellschaft.
„Ich habe doch nichts zu verbergen!"
Dieser Satz fällt häufig, wenn es um Datenschutz geht. Doch er beruht auf einem gefährlichen Missverständnis. Denn „verbergen" bedeutet nicht automatisch, etwas Kriminelles verbrochen zu haben.
Wir alle verbergen täglich legitime Informationen: unseren PIN-Code, unsere Bankdaten, unser Gehalt, private Gespräche. Niemand würde Fremden den Haustürschlüssel geben – warum sollten wir ihnen dann Zugang zu unserem digitalen Leben gewähren?
Das Problem liegt in der Formulierung: „Verbergen" klingt nach Schuld, nach etwas, das man verstecken muss. Dabei ist Privatsphäre völlig normal und wichtig. Es geht um ein Grundrecht: die informationelle Selbstbestimmung. Ein Menschenrecht, das im Grundgesetz verankert ist.
Die richtige Frage lautet also nicht: „Habe ich etwas zu verbergen?", sondern: „Welche Informationen möchte ich vor wem schützen?" Denn Privatsphäre ist kontextabhängig. Meine Chefin muss meine Gesundheitsdaten nicht kennen, meine Ärztin schon. Menschen in meiner Nachbarschaft müssen nicht wissen, wann ich im Urlaub bin, meine Familie, die meine Katze füttert, schon. Die bekommen zwar den Haustürschlüssel, sollten aber vielleicht auch nicht in jede Schublade schauen. Wir müssen lernen, dass eben auch im digitalen Raum nicht alles für alle Augen bestimmt ist.
Digitale Selbstverteidigung ohne IT-Studium
„Das ist alles viel zu kompliziert, ich verstehe nichts von Technik!" Auch dieser Einwand kommt häufig. Doch digitale Selbstverteidigung funktioniert auch ganz analog – mit einfachen Alltagsentscheidungen.
Bezahlen Sie öfter mal bar statt mit Karte und verzichten Sie vor allem auf Bonusprogramme wie PayBack oder DeutschlandCard. So entstehen keine detaillierten Kaufprofile über Ihr Konsumverhalten. Wählen Sie den Kauf auf Rechnung statt über PayPal. Nehmen Sie nicht an jedem Gewinnspiel teil – die meisten sind Datensammelaktionen. Nutzen Sie einen Kameraschieber am Laptop. Und manchmal hilft auch einfach: Das Handy zu Hause lassen.
Sie müssen keine Kundenkarten sammeln, nicht jede App installieren und sich nicht bei jedem Dienst anmelden. Die wichtigste Frage ist: Brauche ich das wirklich? Diese bewussten Entscheidungen erfordern kein IT-Wissen – nur ein bisschen Achtsamkeit im Alltag.
Klein anfangen, groß bewirken
Perfekter Datenschutz ist unmöglich – aber ein bewussterer Umgang mit unseren Daten ist machbar. Und jede kleine Änderung hilft. Ein Dienst weniger, bei dem Sie angemeldet sind. Eine Einkauf mehr bar bezahlt. Eine Kundenkarte weniger in der Geldbörse.
Digitale Selbstverteidigung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Es geht nicht darum, von heute auf morgen zum Datenschutz-Profi zu werden. Es geht darum, Schritt für Schritt bewusster zu werden und kleine Veränderungen in unseren Alltag zu integrieren.
Weitere Inspiration und praktische Tipps finden Sie in meiner Materialkiste hier auf der Website.
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